Verfasst von: suburbansky | Mittwoch, 5. Dezember 2007

Die Sorgen der Grenzgänger

In der gestrigen Ausgabe der „Basler Zeitung“ meldete sich – wieder einmal, nachdem erst vor Kurzem ein grosses Interview mit ihm erschien – Jean-Luc Johaneck von der Oberelsässer Grenzgängervereinigung CDTF zu Wort. In einem „gut dreiseitigen, französischsprachigen (!) offenen Brief an den Grossen Rat“ fordert er, Basel möge bitte, wenn schon die Gratisparkplätze abgeschafft würden, die von den Elsässer Grenzgängern eingetriebenen Quellensteuern (nach Johanecks Rechnung jährlich 37,3 Mio. Franken) in Infrastrukturen investieren, damit die Grenzgänger ihr Auto bei ÖV-Anschlusspunkten parkieren können.

Denn: Die Jahreskarte für die blauen Zonen (2000 Franken) sei viel zu teuer und – Achtung – es gäbe a) zu wenig ÖV (im Sundgau – nämlich gar keinen) und b) sei der ÖV dort, wo er existiert (also S1 Mulhouse – Basel), zu Spitzenzeiten überlastet.

Da drängt sich doch die Frage auf, warum Basel dafür blechen soll, dass man in Frankreich den ÖV weiter auf Sparflamme belassen kann.

Mit 63’300 Einwohnern macht der französische Teil der Trinationalen Agglo Basel zwar weniger als 10% am gesamten aus, doch rund 20’000 Grenzgänger sind nicht unbedingt ein Pappenstiel. Zwar ist dieser Teil in 35 politische Gemeinden zerstückelt (davon haben 23 weniger als 1000 Einwohner), aber eine ÖV-Erschliessung wäre dennoch kein Ding der Unmöglichkeit:

  • Die stadtnahen Gemeinden St. Louis, Huningue, Village-Neuf, Hésingue, Hegenheim, Blotzheim, Buschwiller und die beiden Hagenthal haben zusammen schon mal rund 40’000 Einwohner und könnten Basler Stadtnetz integriert werden, mit Tramverlängerungen (3 und auch 11) und Busverlängerungen (z.B. 33 ab Schönenbuch bis Hagenthal, 38 ab Bachgraben Richtung Hegenheim – Hésingue – Blotzheim). Das kostet das Elsass dann vielleicht jedes Jahr eine Stange Geld, würde aber ohne jeglichen Infrastrukturausbau eine wesentliche Verbesserung bzw. Entschärfung bringen.
  • Weiter decken die beiden S-Bahnhöfe Bartenheim und Sierentz zwei relativ grosse Gemeinden unmittelbar ab und könnten zu Busknoten ausgebaut werden: ab Bartenheim Verbindungen nach Rosenau sowie in die kleineren Agglo-Dörfer Brinckheim, Kappelen, Helfrantzkirch und Stetten; ab Sierentz nach Kembs sowie nach Uffheim, Magstatt, Waltenheim, Koetzingue, Rantzwiller. Diese Linien wären sicher nicht besonders rentabel, würden aber doch Sinn machen.

Auf diese Art und Weise wäre bereits ein grosser Teil der französischen Agglo abgedeckt. Fehlt nur noch die Verbindung Richtung Sundgau. Natürlich könnte man das in den 1990ern stillgelegte Eisenbahnästchen nach Blotzheim wieder in Betrieb nehmen und am Ende noch ein paar Kilometerchen dransetzen (so ca. bis Altkirch) und hätte so ein tolles ÖV-Rückgrat im Sundgau, das von S-Bahnen und auch von neu einzuführenden TER-Verbindungen (z.B. Basel-Besançon-Dijon) benutzt werden könnte (und wohl so viel kosten würde wie ein paar Hundert Meter TGV), aber das ist vielleicht (noch) nicht allzu realistisch…

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