Verfasst von: suburbansky | Samstag, 2. Februar 2008

Feinverteiler vs. Grobverteiler

Wie aus gut unterrichteten Quellen zu erfahren war, argumentierten die Gegner einer S-Bahnhaltestelle Solitude im Basler Grossen Rat (siehe unten) damit, dass die S-Bahn kein Feinverteiler sei und man deshalb nicht zu viele Haltestellen einrichten soll.

Über den Begriff „Feinverteiler“ liesse sich natürlich bis in alle Ewigkeit diskutieren, denn es kommt ganz darauf an, was man miteinander vergleicht. Eines scheint mir jedoch klar: Auf dem Schienennetz ist die S-Bahn tatsächlich der Feinverteiler, im Gegensatz zum Fernverkehr, der ein Grobverteiler ist.

Wie fein soll denn die S-Bahn nun verteilen? Einfach zu sagen, eine geplante Haltestelle liege zu nah an einer bestehenden, ist meiner Meinung nach kein Argument.

Ausschlaggebend für eine S-Bahnhaltestelle sollte doch das Bevölkerungs- und Arbeitsplatzpotenzial in ihrer unmittelbaren Umgebung sein (und natürlich auch die Umsteigemöglichkeiten auf noch feinere Feinverteiler wie Tram und Bus). Aus dieser Perspektive machen wohl alle auf dieser Seite erwähnten Haltestellen auf Basler Stadtgebiet (Morgartenring-Allschwil, Bachletten-Binningen, Solitude, Breite-Birsfelden, Klybeck-Kleinhüningen, evt. Rankhof) ungleich mehr Sinn als zum Beispiel Tecknau oder Duggingen, die im besten Fall vielleicht je 1000 Leute erreichen (und ausserdem liegen zwischen Aesch und Duggingen auch nur etwa zwei Kilometer).

Die S-Bahn selbst ist auf Stadtgebiet sicher nicht der primäre Feinverteiler, aber sie „füttert“ diesen so gut wie möglich: Jemand der aus der Region nach Basel fährt soll nicht am Hauptbahnhof quasi aus dem Zug geworfen und gezwungen werden, ab dort den Feinverteiler quer durch die Stadt nehmen zu müssen (und dabei möglichst noch zweimal umsteigen), sondern die Möglichkeit haben, in die Nähe des Ziels zu fahren und erst dort auf Tram und Bus zu wechseln – was Zeit und Nerven spart.

Zwei Beispiele: Wer von Lörrach zum Roche-Hauptsitz will, dem wird derzeit vom SBB-Fahrplan empfohlen, mit der Bahn zum Badischen Bahnhof zu fahren und von da Bus 36 bis Tinguely-Museum zu nehmen. Nicht schlecht, aber mit einer Haltestelle Solitude könnte die Fahrzeit in etwa halbiert werden und wäre erst noch umsteigefrei (vorausgesetzt, man schafft die lange Wartezeit im Bad. Bf. ab…).

Noch deutlicher wirds bei folgendem Beispiel: wer von Liestal ins boomende Bachgraben-Gebiet in Allschwil will, der braucht im besten Fall 46 Minuten dafür und muss dreimal umsteigen. [Die Fahrt von Liestal nach Zürich ist übrigens umsteigefrei und dauert nur neun Minuten länger.] Mit einem S-Bahnhalt am Morgartenring und einer Buslinie von dort direkt ins Bachgraben-Gebiet wäre die Strecke locker in weniger als einer halben Stunde zu schaffen.

Ich empfehle all jenen, die noch immer gegen ein dichters S-Bahn-Haltestellennetz auf Stadtgebiet sind, sich einmal Zug anzuschauen, oder auch nur Lörrach – und einen Blick in den aktuellen metrobasel-Report, Seite 26, zu werfen: dort steht sinngemäss, dass die S-Bahn gerade im urbanen Zentrum der Agglomeration ausgebaut werden muss, präsent sein muss, um Erfolg zu haben.

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