Verfasst von: suburbansky | Montag, 31. März 2008

Läufelfinger Abstellgleis Revival, Teil 67

Letzten Freitag „enthüllte“ die Basler Zeitung, dass das Läufelfingerli (S9 Sissach-Läufelfingen-Olten), nachdem der Baselbieter Landrat sich vor etwas mehr als einem Jahr für die Erhaltung des Bahnbetriebs entschieden hatte, nun bereits wieder in Richtung „Abstellgleis“ (die Metapher wird immer verwendet, wenns ums Läufelfingerli geht…) unterwegs sei. Grund: Der geplante Ausbau der Bahnhöfe (Perronerhöhung sowie -verlängerung auf 75m um den FLIRT-Einsatz zu ermöglichen) fiel in der zuständigen Kommission durch – die Perrons werden nicht verlängert, man spart 400’000 Franken.

Wenn nun aber keine FLIRT-Kompositionen die Strecke befahren können (stattdessen sollen Thurbo-GTW-Kurzzüge zum Einsatz kommen), dann sind auch keine durchgehenden Züge bis Basel möglich – spätestens in Liestal müsste man dann wohl Passagiere auf dem Perron stehen lassen, denn für die starken Frequenzen im Ergolztal reicht der Thurbo-GTW niemals. Ohne eine solche Integration ins S-Bahn-Netz habe das Läufelfingerli aber tatsächlich keine Zukunft, meint FDP-Landrat Rolf Richterich im oben erwähnten Artikel. Die Weiche klappt einmal mehr auf „Abstellgleis“ um.

Es wäre auf jeden Fall ungeheuer bedauerlich, wenn das Läufelfingerli tatsächlich einmal eingestellt werden sollte. Nur: Schaut man sich einmal ganz pragmatisch die Zahlen an, so muss man zum Schluss kommen, dass das Läufelfingerli niemals auch nur annähernd kostendeckend betrieben werden kann. Warum? Das Bähnli erschliesst im Homburgertal weniger als 3000 Leute. Die grösste Gemeinde im Tal, Thürnen (quasi ein Quartier von Sissach) hat keinen Bahnhof und will auch keinen – aus mir völlig schleierhaften Gründen zwar, aber man scheint dort recht überzeugt dagegen zu sein. Die einzige Talgemeinde, die eine Haltestelle an der Linie hat und vom Bundesamt für Statistik zur Agglo Basel gezählt wird ist Diepflingen, mit sage und schreibe 544 Einwohnern. So wird schnell klar, dass auch eine Einbettung ins S-Bahn-Netz kaum viel grössere Passagierfrequenzen auslösen kann.

Jetzt kommt das Aber: In der ganzen Diskussion um für oder gegen die Bahn wurde ein wichtiger Player bisher immer übergangen, scheint mir: der Kanton Solothurn. Wichtig? Und wie! Zwar befindet sich der grösste Teil der Strecke auf Baselbieter Boden, aber rund zwei Drittel der Läufelfingerli-Anrainer befinden sich im Kanton Solothurn, nämlich in der Gemeinde Trimbach (gut 6000 Einwohner), die zur Agglomeration Olten-Zofingen gehört, mit gut 100’000 Einwohnern sicher keine unwichtige Agglo.

Wäre es nun nicht sinnvoller, anstatt verzweifelt eine S9 die den Namen auch verdient zu erzwingen, lieber eine „Zurückstufung“ zu einem Regionalzug vorzunehmen und diesen, wie bisher, in Sissach wenden zu lassen (mit schlankem Anschluss auf die S3, natürlich) und die Linie stattdessen auf der anderen Seite zu verlängern – beispielsweise Richtung Solothurn oder Zofingen? Wo steht eigentlich geschrieben, dass Olten zwingend Endstation für alle Regionalzüge sein muss? Mit einer Verlängerung über Olten hinaus bekäme das vergleichsweise grosse Trimbach einen attraktiven Anschluss an andere Gemeinden innerhalb der Agglo Olten-Zofingen; zusätzlich könnte in Trimbach auch noch irgendwo eine zusätzliche Haltestelle eingerichtet werden.

Ich bin überzeugt, dass ein solcher Ansatz die Linie attraktiver macht und ihr Überleben effektiver sichert als irgendwelche S-Bahn-Experimente für ein paar Wenige im Homburgertal.

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Responses

  1. Einverstanden. Das Läuffelfingerli soll sich Richtung Zofingen orientieren, ein guter Ansatz!

    Aber wieso nicht doch eine S-Bahn, von Basel nach Sissach-Läuffelfingen-Olten-Zofingen? Denn sollte das Läuffelfingerli wirklich die Regio Olten-Zofingen erschliessen, bräuchte es auch dort Doppel-Flirts!

    Man könnte sogar so weit gehen und sich überlegen ab Olten die S9 zu einer Art „grossen Ringbahn“ werden zu lassen:
    Basel-Läuffelfingen-Olten als regionale S9, ab Olten quasi als Regioexpress (RX) nach Oensingen-Solothurn-Moutier-Delémont und ab dort wieder als regionale S9 bis Basel. Somit hätte die agglomeration eine weitumfahrende Ringlinie, die andere agglomerationen durchfährt/streift und man könnte mit ihr die S-Bahn-Netze Olten-Zofingen / Seeland verknüpfen!

    Für mich steht ausser Frage, dass die Linie durchs Homburgtal auf 75m ausgebaut werden muss, damit längerfristig auf dieser Linie Personenverkehr stattfinden kann!
    Auch die Gemeinden werden weiter wachsen und genau dort werden sich die beiden Agglomerationen Olten-Zofingen und Basel treffen.

    Die Vinschgaubahn – wesentlich grösserm, aber bis zur Stillegung teilweise mit noch mieseren Passagierzahlen – hat es vorgemacht: Man gebe den Leuten einen Halbstundentakt, anständige Verbindungen (Mals-Meran regional, Mals-Bozen Regioexpress), binde ev. die weiter entfernten Dörfer mit einem Kleinbusnetz an und biete anständiges Rollmateril an – und schon explodieren die Passagierzahlen!
    Natürlich wird es kaum in diesem Ausmasse zur Passagierzahlenexplosion kommen, aber ich bin überzeugt, dass solche Überlegungen das Läuffelfingerli weiterbringen könnten!

  2. Die Vinschgauerbahn hat nun doch ein anderes Passagierpotenzial, liegt sie einerseits in touristisch hochinteressantem Gebiet und durchfährt sie zahlreiche kleinere Städte entlang dem Tal, wo ebenfalls attraktive Anschlüsse auf weitere Buslinien in die umliegenden Gemeinden bestehen. Beim Läufelfingerli hast du grade in Sissach und Olten einen grösseren Knotenpunkt, der Bahnhof Trimbach wird von den BOGG-Linie 2 und 6 nicht angefahren.

    Dass jetzt die Perrons doch nicht FLIRT-tauglich umgebaut werden sollen ist extrem kurzsichtig und ein weiteres Indiz dafür, dass die Politik diese Bahnlinie am Liebsten loswerden möchte. Peinlich, peinlich…

  3. So, nun ist es definitiv, das Läuffelfingerli wird FLIRT-tauglich!

  4. Die Idee, das Läufelfingerli über Olten hinaus zu verlängern ist sehr interessant. Allgemein wird in der Agglo Olten das Potential des Schienenverkehrs viel zu wenig genutzt, dabei stehen die Busse jeden Abend mit dem MIV im Stau, die Voraussetzungen für gute Passagierzahlen wären also gegeben. Denkbar wäre eine Verlängerung Richtung Zofingen, wobei unbedingt zwischen Olten und Aarburg sowie zwischen Aarburg und Zofingen weitere Haltestellen gebaut werden müssten. Gerade auf diesen Achsen ist das MIV-Aufkommen sehr gross und die Bahn fährt einfach ohne Halt an grossen Wohnquartieren und Einkaufszentren vorbei, jammerschade.

    Ob so eine Verlängerung in den Fahrplan passen würde weiss ich aber nicht und auch die Erschliessung von Trimbach ist sehr suboptimal, du kannst eben nicht mit 6000 Einwohnern rechnen. Die grossen Wohnquartiere Trimbachs (Wohnblöcke) liegen entweder sehr nahe bei der Oltner Stadtgrenze oder in der Rankwog und damit weitab des Bahnhöflis, das eher randlich am Hang in einem EFH-Quartier liegt.


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