Mehr Haltestellen

„Verkehrlich ist die S-Bahn ein Vorortbahn-System (englisch suburban railway) in Ballungsräumen, das zugleich innerstädtische Verbindungen anbietet. “ (http://de.wikipedia.org/wiki/S-bahn)

Zürich hat auf Stadtgebiet 13 voll ins S-Bahn-Netz integrierte SBB-Bahnhöfe (HB und 12 „Quartierbahnhöfe“, darunter mit Stadelhofen den nach einigen Quellen zweitgrössten Bahnhof der Schweiz) und sieben weitere S-Bahnhöfe der SZU und der Forchbahn, die zwar vom restlichen Netz etwas isoliert sind, aber trotzdem eine wichtige Funktion im städtischen Verkehrsnetz haben und mit dichtem Takt bedient werden.

Auch Bern hat immerhin acht S-Bahnhöfe, die voll ins Netz integriert sind, dazu zwei RBS-Stationen auf Stadtgebiet. Und selbst die kleineren Städte Winterthur (sechs Bahnhöfe), St. Gallen (fünf Bahnhöfe) und Zug (sechs Bahnhöfe) haben in der Kernstadt mehr Bahnhaltestellen als Basel.

Gleichzeitig wird öfter beklagt, dass die Regio-S-Bahn für Basel-Stadt einen ziemlich geringen Nutzen habe. Bei der jetzigen Ausgestaltung der S-Bahn trifft dies voll und ganz zu: Eine S-Bahn-Verbindung zwischen den städtischen Haltestellen Badischer Bahnhof, Dreispitz und St. Johann ist dem SBB-Fahrplan nicht zu entlocken, und auch für die Fahrt vom Bahnhof SBB zu den jeweiligen Haltestellen ist man mit Tram und Bus wohl noch immer am besten bedient. Innerstädtische Verbindungen, oder auch Verbindungen innerhalb der engeren Agglomeration – ein wichtiger Bestandteil eines S-Bahn-Systems (siehe oben) – sind in Basel nicht möglich, ganz im Gegensatz zu Zürich im besonderen, aber auch zu Bern und St. Gallen.

Um die Regio-S-Bahn auch wirklich zu einer S-Bahn zu machen, sind also auch neue Haltestellen auf Stadtgebiet und in der engeren Agglomeration unbedingt notwendig. Die derzeit geplanten Haltestellen – mit Ausnahme von Riehen-Niederholz – sind ziemlich weit von der Stadt entfernt, innerstädtisch ist derzeit nichts geplant – obwohl dank dem nicht ganz unklug angelegten Bahnnetz rund ums Zentrum etliche Haltestellen möglich wären. Auf Stadtgebiet Basel sind insbesondere folgende Standorte prüfenswert:

Elsässerbahn (Basel SBB – Basel St. Johann)
Die Elsässerbahn zwischen Basel SBB/SNCF und der Landesgrenze zu Frankreich (St-Louis) wird derzeit mehr oder minder regelmässig von der S1 nach Mulhouse befahren, ein Halbstundentakt ist in Planung. Seit 1997 befindet sich, unweit der Grenze, knapp fünf Kilometer vom Bahnhof SBB entfernt, die Haltestelle Basel St. Johann. Mit dem geplanten Halbstundentakt sowie einer anfälligen Anbindung des EuroAirport wird der Regionalverkehr auf der Strecke sicherlich zunehmen. Nach der Entscheidung der Basler Regierung, in erster Linie die „Variante Mitte“ des projektierten S-Bahn-Herzstücks weiterzuverfolgen (siehe hier), bleibt der S-Bahn-Verkehr wohl auch langfristig auf dieser Strecke; zu prüfen wäre deshalb eine Verknüpfung der Elsässerbahn mit dem allfälligen Herzstück, halt unter Umgehung des Bahnhof SBB.

Durch den wachsenden Verkehr auf der Strecke werden zwei weitere S-Bahn-Haltestellen zwischen Basel SBB und Basel St. Johann interessant:

  • Morgartenring/Helvetiaplatz/Allschwil (ca. 3 km von SBB und 1,6 km von St. Johann entfernt)

Der mögliche Haltestellen-Standort Morgartenring-Allschwil, gesehen von der Allschwilerstrasse in Richtung Helvetiaplatz.Der mögliche Haltestellen-Standort Morgartenring-Allschwil, gesehen von der Allschwilerstrasse in Richtung Helvetiaplatz.Morgartenring

Dieser Standort wurde bereits in einem ersten Entwurf der Regio-S-Bahn im Jahr 1986 erwähnt (O-Text hier), fand Eingang in diverse Postulate und Planungen im Kanton Baselland, wird aber schon seit Längerem nicht mehr weiterverfolgt. Aus dem Baudepartement heisst es – gerüchtehalber -, dort sei kein Wachstumsschwerpunkt, und eine Studie will herausgefunden haben, dass die Haltestelle nur wenig genutzt würde – und empfahl stattdessen, den Dreispitz zu realisieren. Diese Studie wurde meines Wissens nie veröffentlicht, also kann über die Argumentation und Methoden nur gemutmasst werden. Wer genaueres weiss, der soll sich gerne bei mir melden.

Trotz alledem halte ich den Morgartenring für einen essenziellen Standort: Eine Haltestelle Morgartenring läge direkt an der Grenze zwischen den Quartieren Iselin und Gotthelf, die zusammengenommen mehr als 22’000 Einwohner haben, was immerhin einer grösseren Schweizer Stadt, etwa Montreux oder Frauenfeld, entspricht. Zudem kann der grösste Teil der Gemeinde Allschwil (18’000 Einwohner) in wenigen Minuten zu Fuss, per Velo oder mit der Tramlinie 6 (Fahrt ab Morgartenring nach Allschwil-Dorf dauert 7 Minuten) erreicht werden. Eigentlich sollten allein diese Zahlen Grund genug sein, eine S-Bahn-Haltestelle Morgartenring zumindest ernsthaft zu prüfen.

Zudem fehlt den beiden Stadtquartieren ein eigentliches Zentrum – hier könnte es realisiert werden: Die Bahngeleise könnten zwischen Allschwilerstrasse und Helvetiaplatz überdeckt werden (siehe Bilder) und so ein Stadtplatz geschaffen werden, von dem nicht nur einfach die darunterliegenden Perrons erreicht werden können, sondern der auch als Begegnungszone genutzt werden könnte, mit Café, Kiosk, Avec-Shop (oder ähnliches), evt. SBB-Schalter, etc. Platz wäre genug vorhanden, doch braucht es wohl clevere architektonische Lösungen, um dies mit dem umliegenden Wohnhaus-Ensemble in Einklang zu bringen. Ausserdem könnten auch neue Büroflächen realisiert werden, die unmittelbar an einer gut erschlossenen S-Bahn-Haltestelle sicherlich gefragt sind.

  • Dorenbach/Bachletten/Binningen (ca. 1,2 km von SBB entfernt)

Diese Haltestelle käme in erster Linie dem Neubad-/Bachletten-Quartier, der Gemeinde Binningen sowie dem Zoo zugute. Ein idealer Standort wäre meines Erachtens nach zwischen den Strassenüberführungen Oberwilerstrasse und Marschalkenstrasse, mit Umsteigemöglichkeit auf die Tramlinie 2 sowie die Buslinien 34 und 36. Eine einfache Haltestelle in der Art wie sie im Dreispitz besteht wäre hier wohl angemessen, allerdings sollte irgendwie ein optischer Zusammenhang zwischen dem S-Bahnhof, dem Umsteigepunkt Zoo-Dorenbach, dem Zoo-Eingang und – ganz wichtig – auch dem Quartierzentrum rund um den Neuweilerplatz geschaffen werden.

Weitere sinnvolle Haltestellen auf Basler Stadtgebiet

Nicht nur entlang der Elsässerbahn könnten sinnvollerweise neue S-Bahn-Haltestellen entstehen. Zu einem späteren Zeitpunkt wird sich diese Seite auch anderen Standorten widmen, etwa

  • Breite-Birsfelden oder Bethesdaspital (an der Verbindungsbahn SBB-DB) (Breite wohl besser geeignet)
  • Solitude (an der Verbindungsbahn SBB-DB)
  • Hier machen meiner Meinung nach beide Haltestellen Sinn, trotz der relativ geringen Distanz dazwischen (wohl knapp unter 1 Kilometer): Erstere erschliesst – am Standort Breite – das Breite-Quartier (8’350 Einwohner), Teile des St. Alban-Quartiers (Total 10’000 Einwohner) und die Gemeinde Birsfelden (10’250 Einwohner), letztere primär den Hauptstandort von Roche sowie das Wettstein-Quartier (5500 Einwohner)
  • Rankhof-Hirzbrunnen (zwischen Basel Bad. Bahnhof und Riehen-Niederholz, am besten unmittelbar vor der Gabelung von Wiesental- und Hochrheinbahn)
  • evt. Hörnli (allenfalls auf deutscher Seite, wo sich bereits einmal eine Haltestelle befand)
  • Klybeck-Kleinhüningen (auf der Wiesenbrücke der derzeitigen Güterstrecke (?) mit einem Ausgang Richtung Klybeck/Novartis/Horburgpark und Richtung Hochbergerstrasse/Kleinhüningen – ein Industrie (Novartis, Science Park, etc)- und bald auch Freizeitstandort (Stücki), und neue Wohnungen sind auch geplant.)
  • Ausserdem sollte die Haltestelle Basel St. Jakob, zurzeit nur bei Sportveranstaltungen genutzt, zu einer Vollhaltestelle ausgebaut werden (erschliessung Lehenmatt und Gellert, ausserdem des Shopping Centers), zumal ja einige S-Bahnen schon heute daran vorbeifahren.

Dazu jedoch zu einem späteren Zeitpunkt mehr, genauso wie zu möglichen neuen Haltestellen in der Agglo.

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Responses

  1. Endlich habe ich jemanden gefunden, der etwa die gleichen Visionen hat wie ich!!!
    Praktisch überall stimme ich dir überein, vorallem die Idee mit der Haltestelle Morgarten gefällt mir gut. Werde wohl in Zukunft mich mehrmals auf deiner Seite wiederfinden.
    Jonas

  2. Freut mich, dass dir die Seite gefällt! Ich werde sie zwar nur langsam, aber stetig ausbauen. Als nächstes steht die Überarbeitung dieses Abschnitts über die Haltestellen auf dem Programm. Ich werde voraussichtlich im März etwas Zeit dazu haben, und mir dann auch mal alle möglichen Haltestellen-Standorte in der Stadt und evt. auch in der näheren Agglo genauer ansehen und auch fotografieren, damit man sich hier auch ein bisschen ein besseres Bild von den Ideen machen kann. Gruss, Samuel

  3. bez. „Dorenbach/Bachletten/Binningen“

    Ich schlage vor die Haltestelle sinnvollerweise als Halt „Zoo“ zu erstellen, eingedenks typischer S-Bahn zugslänge währe ein Peron seite Nashornhaus im Zoo am Damm optimal. Ein Haltender Zug hat die enden auf der einen Seite Praktisch an der Oberwilerstrasse, am anderen Ende sehr nahe der Binningerstrasse. Ein Zooeingang kann kombiniert werden.

    http://maps.google.ch/maps?f=q&hl=de&geocode=&time=&date=&ttype=&q=basel&ie=UTF8&ll=47.545771,7.577369&spn=0.004961,0.008283&t=h&z=17&om=0

    Danach jeweils bei den Kreuzungen mit den Radialstrecken des ÖV d.H. 6er 8er 3er um die Verknüpfung und gute Umsteigemöglichkeiten zu bieten…

    (Bin grosser Freund von Breite aus selbem Grund, er Umsteigebeziehung. Peron seitlich der Brücke über Tram ist recht einfach realisierbar mit guter anbindung an Bushaltestelle und Unterführung zum Tram.

  4. @Dominique: Für Haltestelle Zoo/Bachletten/Binningen habe ich mir ebenfalls verschiedene Möglichkeiten überlegt, halte aber eine Variante mit Perronanfang Oberwilerstrasse (und das Perron ab dort in Richtung St. Johann gerichtet) sinnvoller, vor allem für die Erschliessung des Quartiers.

    Allenfalls denkbar wäre auch folgende Variante: eine Haltestelle auf Höhe Binningerstrasse (Anschluss 10er) und eine auf Höhe Neubadstrasse. Allerdings käme die Haltestelle Binningerstrasse mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Zufahrt zu Herzstück in die Quere. Daher halte ich eine Haltestelle in der Mitte für sinnvoller.

    Was die Haltestellen an den „Tramkreuzungen“ betrifft, stimme ich dir theoretisch zu. Aber: sowohl der 3er wie der 8er erschliessen ab diesen Kreuzungen stadtauswärts kein sehr grosses Gebiet mehr – und die vorgesehenen Verlängerungen sehe ich leider in weiter Ferne. Ausserdem wäre der Haltestellenabstand dann doch etwas zu gering.

  5. Vor allem im Bereich des Gellert-Quartiers hat es enorm viel Platz für Haltestellen. Habe ich mir mehrmals schon gedacht bei der Durchfahrt.

    Man würde damit das bethesda-Spital, zahlrieche Schulen und Birsfelden erschliessen.

    Zudem ist überlegenswert, ob man Birsfelden mit der bestehenden „Einbahn-Schiene“ nicht auch anschliessen will in ferner Zukunft, quasi als Ausgangspunkt für eine „Ringbahn“ Birsfelden-SBB-EAP-Kleinhüningen-DB-Gellert-Birsfelden und zurück.

    Im bereich Rankhof/Hörnli bräuchte es wirklich auch einmal etwas! Im grossen und ganzen bin ich zu 100% mit den obigen Ausführungen einverstanden!


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